… Tag 13

Tag 13 (jetzt mit Bilder, evtl aktualisieren)

Ich bin angekommen, Beate natürlich auch. Aber zwischen angekommen und wo heute Morgen um 6.30 Uhr, wo der Wecker uns das erstmal weckte, er hat es noch drei mal versucht … Nun ist doch die letzte Etappe, da ich ja erwartet werde kommt es nicht auf ne Stunde an, oder? Es waren wieder 5,5 Stunden Schlaf. Das Hotel war ganz nett, bis auf das Frühstück, es sollte 4€ Kosten, naja 4€ kann ja nicht viel sein, war es auch nicht 2 Toast, Butter, Erdbeermarmelade, 1 Glas Orangensaft, Tasse Kaffee. Das soll ein Pilger bis Mittag mit auskommen? Wir bestellten einmal Käse nach und einen Kaffee. Das war auf der Rechnung, dann der Hammer, ok 1,25€ pro Kaffee lasse ich ja noch gelten, aber 2×3,50€ für 4 Scheiben Käse (es war kein normaler Käse). Das fühlte ich mich ein bisschen vera…. . Das habe ich dann auch beim Bezahlen angemerkt. Aber was will man sich ärgern, ich habe bezahlt und keinen schönen Tag gewünscht. Na mir den deutschen Pilgern kann man es ja machen. Aber was soll’s es lohnt nicht, dachte ich und nach 50 Meter, habe ich es schon vergessen. (Habe erst jetzt wieder daran gedacht, den ganzen Tag gingen andere Sachen durch den Kopf) irgendwie Magisch.

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Aber nun zum Tag. Der Himmel war grau und es war so ca. 15 Grad. Regen war gemeldet, wir müssten noch 400 Meter an der Hauptstraße um wieder auf den Jakobsweg zu kommen, es ging auf kleinen Straßen durch den Stadtrand von Padrón. Und es kam wie gemeldet, wir gehen und der Himmel fängt an zu weinen, schließlich ist es die letzte Etappe von einem ganz tollem Abenteuer. Morgen los zu gehen und weiß nicht, ob und wo man ankommt, wo man etwas isst, oder gar wo man schläft. Wen man unterwegs trifft oder wen man neues kennenlernt.
Schon nach kurzer Zeit trafen wir auf Susanne und Michael, die auch grad aufgebrochen sind. Es hat nicht mal 5 Minuten genieselt, wir hatten Glück. Wir haben wieder gute 8 km zusammen unseren Weg gemacht, Beate und Susanne vorweg, die haben sich sehr angeregt unterhalten. Wir Männer sind da ja eher ruhigere Gesellen und lieben mehr die Wortkargheit. Auch Michael war froh das Susanne jemanden zum unterhalten hatte. Wir sprachen noch über die verschiedenen Jacobswege und das er zu seinen Reisen Vorträge gehalten hat. Echt ein witziges Paar, die beiden werden mir fehlen, unsere Schöngeister. An einer Kirchen angekommen, es war grad Messe. Sie musste unbedingt diese abwarten und noch Flöte Spiele.
Wir allerdings schon recht spät unterwegs, wollten darauf nicht warten und ich glaube, sie gehen auch gern allein, es ist immer schön wenn man jemanden trifft, aber man möchte seine Weg allein machen, das habe ich auch des Öfteren gemacht. Die weiteren km waren auch gut zu laufen. Nach gut 11 km legten wir an einem Rastplatz ein 2. Frühstück ein.

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Beate schlug vor die Etappe heute zu teilen und unterwegs noch einmal übernachten. Ok, 12 Tage ohne Pause durchlaufen ohne richtige Erholung, Urlaub ist das nicht. Ich bin froh, dass sie weitergelaufen ist. Ich war auch Matt, aber ich wollte heute unbedingt ankommen, es schmerzte nichts, warum pausieren. Das kann ich auch wenn ich da bin. Es waren drei Anstiege heute auf der Etappe zu schaffen, 2 kleine und einer der letzte der aber auf eine längere Strecke sich hinzog. Kurz vor dem letzten Anstieg lernten wir an einer snackbude ein Pärchen aus Redondela kenn, sie deutsche, er Spanier. Sie laufen diese Strecken an 2 Wochenenden von Tui aus nach Hauses und ein Wochenende später von Zuhause nach Santiago. Nun jeder wie er mag und Lust hat. Aber kein Vergleich zu uns ….
Ach hervor ich es vergesse, die Etappe war wieder landschaftlich sehr schön, es ging immer wieder an oder durch kleine verschlafene Dörfer. Nun was will man am Sonntag erwarten. Es war keine Bauer unterwegs …

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Wie man auf den Bildern sehen kann ein tolle Etappe. Und wo ich am meisten Spaß hatte die km Steine nach Santiago und die km Zahl wurde immer kleiner … Was ein Spaß. Ich hatte einen kleinen Vorsprung auf Beate, die Anstiege könnt ich wie die letzten Tage immer mit einem recht schnellen Tempo bewältigen, ich wollte auch unbedingt Santiago sehn und ankommen.

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Als oben angekommen ging es recht steil wieder Berg ab und eine Muschel war falsch angebracht und ich bin falsch abgebogen durch einen Wald wieder einen Berg rauf, nun nach guten 350 Metern bemerkte ich den Fehler und Kehrtwende zurück, unten angekommen hatte Beate auch wieder aufgeschlossen, dann unter der Autobahn durch und wieder bergauf und andere Seite ,  wir waren nun in der Stadt angekommen wieder hinunter. Hier wartet ich auf Beate auf einer Parkbank. Als sie angekommen war, war es besser sie nicht anzusprechen. Wir waren, ok Beate vielleicht etwas mehr, ganz schön ausgelaugt. Es war heute auch eine der besonders langen Etappen und dann noch mit drei Anstiegen und selbigen Abstiegen, das geht an die Reserven. Laut unserm Wanderführer sollten die Pfeile in der Stadt nicht so gut sein, aber in die grobe Richtung wurde man geführt.

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Es war noch gut 1,6 km durch die Stadt an einer Hauptstraße entlang und man bog dann in die Fußgängerzone ein und ab da waren die Straßen voller Touristen und Pilger. Es reihten sich nun ein Souvenir Geschäft an das andere, doch recht kommerziell und alle wollen an den Pilgern partpizieren.
Die Pilger waren entweder am Rucksack zu erkennen oder der recht sportlichen Kleidung, denn auf den feinen Sonntagsdress verzichtete er aus Gewichtsgründen.

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Schon nach wenigen Meter links in eine schmale Gasse und man hat den ersten Blick auf die Spitze der Kathedrale.

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War es ein tolles Gefühl – kein Gedanke mehr an schmerzende Füße, Waden, Schienbeine oder gar den Rücken. Jetzt nur noch die Gasse zu Ende laufen und man steht vor der imposanten Kathedrale. Ich bin da und habe es geschafft. Es haben der ein oder andere sicherlich daran gezweifelt als ich Ihnen davon berichtet habe was ich vor habe. Aber jetzt habe ich es sogar schriftlich und ich habe mir auch die km kirchlich bestätigen lassen – 260 km. Manche brauchen für diese Strecke keine 2 Stunden (mit dem Auto), ich habe 13 Tage benötigt.

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Vor der Kathedrale angekommen, haben wir erstmal das nächste Hotel angesteuert, zum Glück war es nicht weit, aber teuer. Aber das haben wir uns verdient. Haben uns auch nur kurz frisch gemacht und sind wieder zur Kathedrale und haben einen kurzen Blick reingeworfen. So was habe ich noch nie gesehen, die Kathedrale ist riesig. Ich habe mit meiner Kamera einige Bilder gemacht. Es war dort sehr interessant und überwältigend . Wir wollten jetzt kurz was trinken und verließen durch einen Seitenausgang die Kirche. Wir setzten uns auf die Treppen und überlegten wo wir was Essen, schließlich hatte wir keins unterwegs. Dann stellte ich die Frage, wo wir unser Compostella bekommen, natürlich im Pilger Büro. Kurz auf Google Maps geschaut und es lag nur 80 Meter vor uns, ok kurz anschauen, die können wir ja noch morgen abholen. Doch die Schlange war verlockend kurz, dass wir uns ein die Schlange eingereiht haben, wir standen grad, da kamen Susanne und Michael aus dem Büro und hatte sich ihre Compostella doch noch geholt. Anne für sich wollten sie keine holen, aber diese hatte wohl ein neues Design. Eine gute halbe Stunde später hielten wir auch unsere Compostella in der Hand. Es gab für 3€ eine Bestätigung über die km, diese weist nun 260 km auf.
Da sind meine beiden Umwege aber leider nicht enthalten … Warum?

Dann knurrte der Magen, aber in Spanien öffnen die Restaurants alle erst so um 20 Uhr. Solange wollten wir nicht warten und eine Dönerbuden könnte unseren Hunger auch stillen. Zufrieden gestärkt ging es wieder zur Kathedrale, mit dem Ziel direkt sich aufs Ohr … daraus wurde nichts, der irische Pilger traf uns, dann wurden noch Fotos gemacht, auch die Holländer aus Ponte de Lima waren da. Nach dem hallo habe wir uns erstmal auf eine Bank gesetzt, dann kamen Ben und Tina aus Holland, wir hatten uns mehrmals ab Actos getroffen und waren dort im selben Hotel. Dann kamen noch das Hamburger Studenten Pärchen und noch ein Rentner Pärchen, welches uns auch schon seit Actos über den Weg läuft. Es war ein großes hallo und alles waren über glücklich angekommen zu sein – vergessen die beschwerlichen Wege, die Schmerzen die man hatte. Alle hatten was, aber alle haben durch gehalten sind unter Schmerzen gelaufen, wo jeder Arzt gesagt hätte: unbedingte Ruhe und hoch legen … aber alles sind den nächsten Tag weitergelaufen. Die Holländer wollten unbedingt noch was essen und wir hatten schon aber auf ein Bier hatten wir noch Lust. Aber nach 5 Restaurant, die keinen Platz für 9 hatten, habe wir uns zurück gezogen, sonst hätten sie nie eine Chance gehabt. Wir waren auch recht müd‘ und freuten uns auf’s Bett.

So das große Abenteuer Jacobswege geht langsam zu Ende. Es war sehr hart und sehr anstrengend. Ich wollte es mir auch einmal selbst beweisen, dass ich mit nun 47 Jahren als bekannter Couchpotato noch nicht zum alten Eisen gehöre und der Weg war für mich auch eine Befreiung ich habe wie es eine Pilgerin mir mal sagte unterwegs, man kann einen Gedanken zu Ende denken. Zuhause klingelt das Telefon, die Waschmaschine piept und ist fertig oder andere Dinge stören, zuhause nimmt man sich diese Auszeit nicht. Einen Vorsatz den ich daraus mitnehme…. Hier auf dem Weg war man oft allein und sonst nix, nur der Weg und weil man nur den gelben Pfeilen nachläuft muss man sich um die Navigation auch keine großen Gedanken machen. Man lässt total los. Was oft passiert ist, einen Tag später wusste man nicht mehr von wo man kam oder in welchem Hotel war der Ort. Es gibt nur dich und der Weg zum Ziel und der ist auch noch vorgegeben. Es ist sehr befreiend. Der Blog war für mich den Tag, weil er noch frisch war, schnell aufzuschreiben, wobei das schnell aufschreiben schon mal 2 Stunden in Anspruch nahm. Aber so kann ich in mein Blog wie in einem Tagebuch schauen und habe den Tag wieder vor Augen um es wieder zu erleben. Ich weiß auch nicht ob es gut zu lesen war, da müsste ich jetzt bei Tag 1 mal lesen. Ich kann auch nicht beurteilen, ob sich mein schreiben verändert hat. Das würde mich interessiere, ich bin normalerweise kein Schreiberling gewesen …

So nun genug geschwafelt, ich muss jetzt noch ein paar Bilder hier hochladen, damit es schön bunt ist.

Ich würde auch alle die es interessiert gerne zu mir auf ein Bier einladen und meinen Weg feiern. Ich habe auch noch einen Haufen interessante Bilder und schöne Geschichte, werde aber wohl zur Gedankenstütze meinen Blog dazu nehmen müssen. LOL. Würde mich freuen wenn jemand kommt…am Samstag um 20 Uhr bei mir zuhause, ich werde auch meinen Rucksack so zusammen packen das wer möchte ihn mal tragen kann, um einzuschätzen was für eine Last man jeden Tag mit sich trägt.

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Liebe Grüße aus Santiago
vom heiligen Stephanus

P.S.: Vielen Dank für die netten Nachrichten und Posts, ich habe mich sehr gefreut und habe bei der ein oder anderen eine Träne verdrückt, es war sehr emotional und bewegend für mich.
Vielen Dank, Leonie und Elena ich liebe euch über alles!
Und meine beiden kleine Schwestern … Jetzt seit ihr dran!

Ein Gedanke zu „… Tag 13“

  1. Ist bestimmt ein unbeschreibliches Gefühl endlich anzukommen, auch wenn ich euch beide schon trauern, dass der Weg schon vorbei ist. Ich bin echt stolz auf euch
    Ihr habt es so vielen gezeigt, die an euch gezweifelt haben.

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