… Tag 15

Tag 15

Ich habe erst um 3 Uhr den vorletzten Blog fertig bekommen, man und jetzt ist es der letzte Tag gewesen, ich sitze nun gerade im Flieger und denke über das grandiosen Erlebnis ‚Lemmy goes to Santiago‘ nach … Es war schmerzhaft und unglaublich schön, weil man so viele unterschiedliche Menschen kennengelernt hat, einige nur kurz und ein paar sind durch viele gemeinsamen Pausen oder weil wir ein Stück zusammen den Weg gegangen sind oder die vielen gemeinsamen Essen … Sie werden mir fehlen. Es war eine Bereicherung, ich finde dafür gar keine Worte und wenn ich darüber nachdenke doch ein bisschen traurig und ich bin stolz auf mich das ich das so gut gemeistert habe, obwohl ich ab und zu gedachte habe: Lieber Gott warum lässt Du mich so über heiße Kohlen gehen …. so ein Gefühl war das, als nach und nach in den ersten Tagen, sich jeder Muskel sich einmal in den Vordergrund stellen musste, als wenn ich nicht wüsste, dass ich sie habe.
Was auch schön war alleine durch Wald und Flur, die Umgebung einmal ganz anderes erleben. Ich habe Flüsse und Bäche so klar, dass man bis auf den Grund schauen konnte, gesehen. Fische unterschiedlichster Größe, Frösche gaben ihre Konzerte, Grillen spielten ihr Violinkonzert, ok der ein oder andere Baueres Hund saß hinter dem Zaun und bellte jeden Pilger an … es wurden alle Sinne geschärft. Ich hoffe ich kann das noch länger behalten.

Ich habe noch in keinem Urlaub so gut abschalten können und einfach loslassen…

So ich bin so um kurz vor 8 Uhr wachgeworden, Beate war schon aufgebrochen zur deutschen Morgenmesse. Die wollte ich nicht verpassen und einmal kurz durchs Bad …. auf rasieren hatte ich Urlaub sowieso verzichtet … mal sehn,ob er dran bleibt.
Kam leider 5 Minuten zu spät und habe so die Fürbitte, die Michael vorgelesen hat nahezu verpasst. Es war voll in der kleinen Kirche in der Kathedrale. Es sind mehrerer kleine Kirchen in der Kathedrale. Ich habe hinten im Eingang gestanden, es war ein Deutscher Pastor mit schwäbischen Dialekt. Es war schön ihm zuzuhören, er hat davon gesprochen, das Santiago eine der freundlichsten Kirchen der Welt ist. Weil alle die hier ankommen so glücklich sind ihren Weg gemacht zu haben. Das stimmt, ich beobachte ja schon fast drei Tage die Menschen in Sanitiago – nahezu alle sind glücklich und wenn man jetzt in die Kathedrale geht und sich die Staturen, Bildnisse und selbst Jesu am Kreuz – keiner hat einen schmerzverzerrtem Blick oder gar traurig. Alle sind fröhlich oder neutral … es ist die fröhlichste Kirche der Welt.
Und wenn jetzt jeder diese Freundlichkeit mit nach Hause nimmt und diese dort weiterträgt dann ist die Welt wieder ein bisschen freundlicher. Ich versuche das mal…

Ich habe auch 8 Kerzen angezündet, es war für jeden eine dabei ….

Die Messe endete mit der Kommunion und wir begrüßten und sprachen mit Michael und Susanne kurz in der Kathedrale. Wir sind anschließend alleine um eine Kleinigkeit zu frühstücken. Ein kleine Kaffee bot Kaffee, Orangensaft und Spiegelei an … War schon mal ein guter Start. Aber ich freue mich schon wieder auf Brötchen vom Bäcker und vernünftiger Käse. Da wir bis 12 Uhr das Zimmer Räumen müssen, haben wir uns noch einmal frisch gemacht und unsere Sachen zusammen gepackt. Alles wieder rein in den Rucksack.

Und wir hatten noch eine Verabredung mit Himmel und Hölle, Griseldis und Denise aus Hamburg. Sie kamen von Finisterre zurück. Sie wollten in die 12 Uhr Messe und danach wollten wir zusammen etwas Essen. Wie erwartet die beiden, in einem Café Nähe des Jakobswegs aus Frankreich. Sie haben sich genauso gefreut wie wir. Es war immer ein riesiger Spaß mit den beiden, sie hatten uns einmal auch vorm verhungern mit einem Brötchen gerettet. Es war immer ein Spaß. Sie nannten uns immer ihren Schatten, weil wir immer an den gleichen Rastplätzen rasteten und sie immer vor uns aufgebrochen sind … unsere Vorhut. Wenn sie an einem Rastplatz nicht waren, dann war der auch nix.

Nach der Messe trafen die beiden in unserem Café ein, wir gingen zusammen durch die kleinen Gassen und sprachen über alle möglichen Pilger die uns die letzten zwei Wochen auch begleitet haben. Nach ein paar Souvenir Shops sind wir auch noch gestöbert, ich habe 2 Kacheln die den Weg nach Santiago ausgesucht, diese sollen ans Haus …

Als wir ein geeignetes Lokal zum Essen ausgemacht haben, gab’s eine Kleinigkeit, es waren bei mir auch wieder ein paar pimientos dabei, die sin echt lecker. Gestärkt ging es noch in eine Eisdiele. Wir haben die letzten Stunden richtig genossen. Es waren tolle Gespräche mit den beiden, es ging Gott und die Welt, es war wie jedes Treffen eine Freude. So nette Menschen, die sich auch in der gleichen Gefühls Situation des selben Ziels befinden, das macht den Weg dahin aus. Die beiden begleiteten uns noch zum Hotel, wo wir unser Gepäck ins Taxi gebracht wurde … es war ein herzlicher Abschied. Irgendwie werde ich das vermissen … das gibt es wohl nur wenn man da ist, Schade.

Ich bin mit gemischten Gefühlen nach Hause gefahren, zuerst war auch geplant noch die Nacht am Flughafen zu verbringen, aber ich fühlte mich noch sehr fit, das wir direkt nach der Landung uns auf den Heimweg gemacht haben. Es war kaum Verkehr und man konnte äußerst entspannt fahren.

Zuhause habe ich mich riesig gefreut‘, Leonie hat mit ein riesiges Willkommen Plakat gemalt, mit einer Karte von unserem Weg mit Tagespunkten aus meinem Blog und ein Tafel meiner Lieblingsschokolade. Schön so empfangen zu werden. Vielen Dank.

Nun das wars ….

Ich werde nach ein paar Tagen noch ein paar Zeilen hier schreiben. Es muss jetzt erstmal alles Sacken und verarbeitet werden.

Vielen Dank an alle die mich hier begleitet haben, auch für die vielen Kommentare und eMails.

Liebe Grüße

Lemmy

 

P.S.: Fotos werde ich separat nochmal einstellen.

6 Gedanken zu „… Tag 15“

  1. Lieber Stefan,
    Habe mit großem Interesse und mit viel Freude Deinen wunderbar geschriebenen Pilgerbericht gelesen und die schönen klaren Bilder angeschaut.
    Vor allem hast Du alles wirklich mit viel Ehrlichkeit berichtet, nicht nur Deine Sicht des Pilgerweges beschrieben, wo ich manchmal dachte, was für ein Berg ging denn da hoch, sondern uns auch Deine Schmerzen sprichwörtlich hast spüren lassen, sowie die Freude, wieder eine Etappe erschöpft aber glücklich geschafft zu haben.
    Nicht die fitten, durchtrainierten Pilger haben meine Bewunderung, sondern die, die kämpfen müssen um anzukommen, wie Du und ich.
    Ich bin schon einige Caminos gelaufen. Laufe immer alleine los und Tag für Tag werden es mehr Mitpilger, die ich kennenlerne und immer wieder treffe, so wie Euch. Ich bin stolz, daß ich mit auf dem Abschlußbild in Santiago sein darf. Danke dafür.
    Bleib gesund, Grüße an Beate
    und bis zum nächsten Camino!!!

  2. Hallo Stefan und Beate,
    last but not least…auch von mir.
    Deine Kommentare sind wunderbar Stefan! Beim Lesen habe ich es doch manchmal bereut, dass ich dieses Mal nicht auch Tagebuch geführt habe. Aber es war für mich im Nachlauf gesehen dann doch nicht notwendig.
    Es war eine Bereicherung, Euch getroffen zu haben und es würde mich freuen, wenn der Kontakt auch zu Euch nicht abbrechen würde! Vielen Dank für all die schönen Eindrücke, die mich sehr oft an meinen Weg erinnert haben…an all die schönen Erinnerungen!
    Bis bald und liebe Grüße
    Anja

  3. Danke erst einmal, für den schönen Reisebericht !
    Vlt. erinnerst du dich noch an mich, falls nicht, du hast mir pers. vor einiger Zeit den Jacobsweg etwas näher gebracht. Ich hatte ja schon lange „davon geträumt“ ihn irgendwann selbst gehen zu können, aber durch deine Geschichte, ist es viel greifbarer geworden und nun trete ich morgen endlich selbst meine Reise an !
    Ich schreibe ebenfalls, nicht minder inspiriert durch dich, auch einen „live vor Ort“ Blog . Bei Interesse, kannste auch gern mal vorbei schauen..
    Was mich noch interessiert, welche App hast du immer (von den Screenshots) benutzt.?

    Danke dir und beste Grüße..! Sascha

    Mein Blog: http://www.mein-weg-das-ziel.de

    1. Hallo Sascha,
      habe deinen Kommentar leider erst jetzt gelesen und freigegeben, sorry. Aber war lange nicht mehr auf meinem Blog.
      Wie ist es Dir entgangen … leider hattest Du etwas Pech, oder?
      Gruß
      Stefan

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